Über den Bock

Gedanken und Erklärungsversuche zum Blog

Der Bock – Der Blog – Das „Konzept“

Ich gebe es zu, ich bin nicht wirklich ein Ziegenbock. Das sind „Fake-News“, wie man heute neudeutsch so schön sagt. Genau genommen bin ich sogar ein Mensch… aber immerhin ein Säugetier!

Allerdings musste ich kürzlich beim Blick in den Spiegel erstaunt feststellen, dass ich mir, ohne es bewusst geplant zu haben, seit einiger Zeit, ein „Ziegenbärtchen“ stehen lasse! Ist das nun crazy, scary oder Bestimmung? Da gibt es keinen bewussten, kausalen Zusammenhang, „ischschöhr“! Trotzdem gab es mir ordentlich zu denken, da ich doch gar nicht wirklich an Schicksal oder dergleichen glaube.

Scary Fakt Nr. 2: Die URL (goatment.com) habe ich schon länger registriert. Zu der Zeit hatte ich aber ganz andere Pläne und definitiv niemals vor, ein Blog zu schreiben. Als ich auf die Blog-Idee gekommen bin, habe ich einfach die URL und das bereits vorhandene Logo verwendet und voilá, plötzlich passte alles zusammen.

Ich will diese ganze Konstruktion bewusst nicht als Kalkül und Planung verkaufen. Es hat sich einfach alles so ergeben. Ich kann also folglich fast nichts dafür.

Der Bock – die Person

Ich nehme mich nicht so wichtig, und mittlerweile will ich auch nicht mehr wichtig oder berühmt werden. Diese Zeit liegt hinter mir, wem auch immer sei Dank. Wenn ich dem Alter überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann dies: Viele Dinge sind mir einfach scheißegal.

So lässt sich auch prima die Entstehungsgeschichte zu URL, Name und Konzept begründen: Es war mir in diesem Moment total egal.

Ich kann entspannt von der Seitenlinie beobachten, wie sich andere die Hacken ablaufen und nach hehren Zielen streben. Das entspannt das Gemüt und die Muskulatur. Mit körperlichen Reserven muss ich ja nun haushalten.

Und so verstehe ich auch die Texte, die ich hier veröffentliche. Nicht, dass ich es nicht ehrlich meinen würde oder mir der Inhalt egal wäre, aber Du kannst sie lesen und verwerten, wie es Dir gefällt. CC0. Ich muss weder jeden erreichen noch zwanghaft die ganze Welt verbessern. Allerdings wäre es eine Lüge, wenn ich nicht zugeben würde, dass es mir durchaus Freude und Befriedung bereitet, falls jemand etwas damit anfangen kann. Vielleicht erhalte ich sogar ab und an die eine oder andere Reaktion. Aber was ich damit sagen will: Es gibt doch Wichtigeres im Leben, oder?

Ich will nackt sein

In diesem Sinne: Ich ziehe blank vor meinen Lesern und dem Rest der Welt. Ich will geistig und emotional nackt sein. Ich will nichts, aber auch gar nichts verbergen. Das ist mein Konzept. Ich gebe zu, das Risiko ist überschaubar, denn wen interessiert das heute noch?

Es gibt ja kaum etwas, das nicht schon öffentlich breitgetreten und ausgeschlachtet wurde. Das kann und will ich mit meinem kleinen Blog nicht toppen. Die Geschichte hat uns Folgendes gelehrt: Schon nach kürzester Zeit verlieren die Menschen das Interesse an allem, egal, wie sensationell der Ansatz auch gewesen sein mag. Fast nichts ist gut oder exhibitionistisch genug, um die Zeit zu überdauern und uns längerfristig zu fesseln. Egoismus, kollektive Lethargie und fehlendes Interesse an den Problemen der Anderen gewinnen wieder die Oberhand. Alltag. Kein Platz für ehrliches Mitgefühl und Emotionen. „Ich, ich, ich“ ist die Prämisse, der heilige Gral unserer Leistungsgesellschaft. Das „Eichmaß der Zivilisation“.

Warum dann also?

Für die, die sich das Lesen der folgenden Worte ersparen wollen, die Essenz vorab: Es gibt keinen wirklichen Grund, warum ich ein Blog gestartet habe, oder er hat sich mir selbst einfach noch nicht offenbart. Es ist einfach das Substrat meiner Gedanken, und die sind weder zielgerichtet, noch sortiert. Fertig.

Geht es um die um Wahrheit?

Die Wahrheit. Wer kennt die schon. Gefangen im jeweiligen Körper und Geist ist die Wahrheit doch eine sehr subjektive Angelegenheit. Gefärbt von Glauben, Erziehung, genetischer Veranlagung, Gesetzen, Gesellschaft und Moralvorstellungen bleibt nur ein sehr fragiles Konstrukt, das um Anerkennung und Allgemeingültigkeit bemüht ist. Also, nein. Auch darum geht es nicht. Bestenfalls, wie der Name schon sagt, um ein Statement.

Vielleicht will ich mich ja verewigen?

Ja, kann sein. Gibt es einen schöneren Ort für das Abladen von Informationen und Müll, als das Internet, die Cloud der Menschheit?

Früher hatte das geschriebene Wort mehr Bedeutung. Es war ein wertvolles Gut und nur einer sehr begrenzten Gruppe vorbehalten: der Kirche, den Intellektuellen, den Philosophen, den Dichtern und Denkern – und, vor allem, nur den Männern. Nein, das war sicher nicht besser als heute, aber so waren nun mal die Anfänge. Eine rare, wertvolle, geheime Materie war das damals. 1450 revolutionierte dann Johannes Gutenberg die Szene mit dem Buchdruck, und der Rest ist Geschichte.

Heute hat, zumindest in den westlichen Ländern, jeder ein Recht auf Bildung, und die meisten sind auch in der Lage, ein Buch oder generell einen Text mehr oder weniger gut zu lesen und zu verstehen.

Das hat Vor- und Nachteile, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Ungefragt und ebenso ungefiltert kann heute jeder sein geistiges Ejakulat in die Welt hinausspritzen, und zwar mithilfe des Internets. Facebook, Twitter und Google machen’s möglich. Kein Ding. Das Ergebnis hat oft kaum noch Bezug zu Qualität, Informationsgehalt oder gar der Wahrheit.

Also; warum sollte ich das nicht auch tun?

Das ist wohl der Kern der Geschichte. Vielleicht bringt es irgendwem etwas, vielleicht auch nicht, was soll’s? Muss mich das interessieren? Eigentlich ja – aber nein. Ich denke, heute nicht mehr, obgleich das natürlich traurig ist. Ich gehe einfach unter in der großen, unendlichen Masse, im Strom der nicht enden wollenden Informationen, die irgendeine KI oder Google mit ausgefuchsten Algorithmen verwurstet und dann für uns aufbereitet und entscheidet, was gut oder schlecht ist. Gut, dass uns jemand die Arbeit abnimmt. Danke dafür.

Minimalisieren und Ausmisten

Ja, raus damit! Ich liebe es, mich zu trennen von unnützen, überflüssigen Dingen. Analysieren, identifizieren und verschenken, danach fühle ich mich immer so befreit.
Dabei handelt es sich allerdings nicht um Müll. Oft brauchen die Dinge einfach ein neues Zuhause; ihre Zeit ist abgelaufen, sie haben für mich keinen Wert oder Nutzen mehr. In ihrem neuen Zuhause können sie ihrem neuen Besitzer aber durchaus wieder gute Dienste erweisen. Dinge weiterzureichen ist wunderbar, so sind sie wieder in den Kreislauf integriert und alles ist miteinander verbunden. Ich nehme auch gerne alte Sachen entgegen, wenn ich sie gebrauchen kann (das kommt allerdings in der letzten Zeit immer seltener vor). Ich achte stets darauf, dass mein Besitz sich nicht unkontrolliert vermehrt oder wächst.

Vielleicht funktioniert das Prinzip ja auch mit Gedanken, dachte ich mir. Die Vorstellung fände ich jedenfalls sexy. Früher, ohne das Internet, ist sehr viel verloren gegangen. Einzigartige Ideen und Gedanken, auf die wir heute keinen Zugriff mehr haben – alles verschwunden, verbrannt, verrottet.

Bestimmt hätten wir das Eine oder Andere noch gut gebrauchen können. Vielleicht hätten wir weinen, lachen oder lernen können, wer weiß. Heute passiert das nicht mehr, denn das Netz vergisst nie. Geniale Ideen oder Bullshit, das ist einerlei. In anonymen, unterirdischen Serverfarmen wird alles gespeichert und für die Ewigkeit konserviert. Fast so, wie mit Atommüll. Halbwertszeit unendlich.

Am Ende bleibt das Ego

Vielleicht ist es ja auch so, dass ich keinen einzigen Menschen jemals erreiche oder ihm einen Mehrwert bieten kann, was allerdings selbst bei den schlechtesten Informationen unwahrscheinlich ist, aber nehmen wir das mal rein hypothetisch an. Dann bleibt immer noch mein Ego: Ich kann mir einen Mehrwert schaffen, in dem ich meinen Kopf entleere. Das fühlt sich gut an, wie ich seit kurzem erleben darf, weil ich einfach mal damit angefangen habe.

Das ist schon alles.