Ein altes Schild, welches auf einen Laundry-Service hinweist

KrĂŒcken fĂŒr die alte Dame vom Waschsalon

Wie ich mich am besten selbst beschenke

Altruismus und Egoismus gehen Hand in Hand

In Indonesien oder auch in anderen LĂ€ndern, die touristisch weit erschlossen sind, ist es ĂŒblich, dass das Dienstleistungsgewerbe sehr verzweigt und kreativ ist. Jeder nutzt alle sich ihm bietenden Chancen, um irgendwie Umsatz zu generieren. Normal.

Unter anderem gibt es an jeder Ecke eine Laundry, dabei handelt es sich um eine WĂ€scherei mit Full-Service. Schmutzige WĂ€sche hinbringen, ein bis zwei Tage warten, dann kannst Du alles wieder gewaschen, gebĂŒgelt und schön verpackt abholen. FĂŒr relativ kleines Geld, versteht sich. Zumindest aus Perspektive der Touristen.

Eine sehr praktische Angelegenheit, welche das Mitbringen von Waschmittel, wie es frĂŒher einmal ĂŒblich war, vollkommen ĂŒberflĂŒssig macht. Das lohnt sich einfach nicht mehr. Außer Du bist ein Super-Sparfuchs und musst außerdem noch zwanghaft Deine Zeit totschlagen.

So ist das auch hier auf Bali: An jeder Ecke gibt es eine Laundry, die die lĂ€stige Arbeit gerne, gut und gĂŒnstig fĂŒr Dich erledigt. Diesmal habe ich besonders GlĂŒck: Mein Dienstleistungsbetrieb ist direkt nebenan. (Airbnb hatte mir diese interessante Information ĂŒbrigens bereits im Vorfeld geliefert. Toll!)

Folge dem weißen Kaninchen

Also stapfte ich mit meinem ersten BĂŒndel schmutziger WĂ€sche los, aus dem Haus hinaus, folgte dem kleinen Hinweisschild und öffnete das rostige Tor. Hier muss ich richtig sein; links und rechts hing schon allerhand WĂ€sche, die von der warmen Luft getrocknet wurde.

Mensch mit Kaninchen-KostĂŒm vor Hauswand mit Graffiti
Weißes Kaninchen mir roter Jacke

Gesehen hatte ich allerdings noch niemanden. Also immer weiter auf dem schmalen Pfad, der mich entlang zwischen den HauswĂ€nden fĂŒhrte. Plötzlich hörte ich eine Stimme. „Hello! Hello! Here!“ Gesagt getan. Nun stand ich vor einer kleinen, alten, asiatischen Lady. Mit allen zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln gab sie mir zu verstehen, dass ich bei ihr genau richtig war.

So lieb und freundlich sie auch war, so schlecht konnte sie sich bewegen. Die Schmerzen waren ihr ins Gesicht geschrieben. Sie konnte kaum noch laufen, und wenn sie es trotzdem tat, bewegte sie sich wie eine Schnecke. Dann bat sie mich um Hilfe, ihre verrostete, kaputte KrĂŒcke wieder zusammenzubauen. Alleine schaffte sie es aus Mangel an Kraft nicht mehr.

Ein ehrliches, liebevolles LĂ€cheln

Das Teil war total hinĂŒber, und man musste einige Tricks anwenden, damit sie ihren Zweck wieder einigermaßen erfĂŒllen konnte. Ich tat, worum die Frau mich gebeten hatte. Danach war sie sehr zufrieden und nahm dankbar meine WĂ€sche in Empfang. Ein ehrliches, liebevolles LĂ€cheln strahlte mich an.

Nachdem die notwendigen FormalitĂ€ten erledigt waren, gab sie mir zu verstehen, dass ich meine Klamotten direkt am nĂ€chsten Tag wieder abholen könne. Perfekt, auch wenn ich es eigentlich gar nicht so eilig hatte. Nach dem Preis habe ich nicht gefragt, das ist erfahrungsgemĂ€ĂŸ nicht nötig. Hier gibt es ehrliche Arbeit fĂŒr ehrliches Geld, keinen Nepp am Straßenrand. Der Service ist eher auf eine langfristige Kundenbeziehung ausgelegt.

MitgefĂŒhl breitet sich aus

Im Laufe des Tages machte sich in mir ein GefĂŒhl breit. MitgefĂŒhl. Die Alte kann kaum laufen und muss trotzdem schwer arbeiten. Kein soziales Netz. Sieben Tage die Woche schmutzige WĂ€sche waschen fĂŒr Touristen. Sie hat sich aber nicht beklagt, jedenfalls nicht bei mir. Sie hat gelĂ€chelt und war freundlich. Trotzdem: Inception, ein Gedanke wurde eingepflanzt.

„ZufĂ€llig“ komme ich nachmittags an einer Apotheke vorbei und sehe im Schaufenster eine Auswahl an Gehhilfen. Echt jetzt!? Nun denn, es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Spontan rein in den Laden und mich mal beraten lassen. Eine Entscheidung ist schnell getroffen, auch wenn das Personal mich etwas erstaunt mustert. Der Preis ist fĂŒr mich nicht unerschwinglich, wenngleich der Betrag fĂŒr die Lady sicher eine ganz andere Hausnummer ist.

Zwei Minuten spĂ€ter war ich stolzer Besitzer von zwei nigelnagelneuen KrĂŒcken, eingeschweißt in durchsichtiger Zellophanfolie, frisch aus dem Werk. Den restlichen Tag marschierte ich nun mit den Teilen durch Ubud und musste mich stĂ€ndig selbst daran erinnern, die Dinger nicht irgendwo zu vergessen. Dazu verwirrte Blicke ĂŒberall.

Gehilfen lehnen an Wand, eingeschweisst in Zellofanfolie, Bali
Frisch aus dem Werk – Gehilfen auf Reise

Am nĂ€chsten Morgen habe ich dann mein PrĂ€sent ĂŒbergeben. Eine große Überraschung, Dankbarkeit in ihren Augen, freundliche Gesten und eine kleine Umarmung quittierten meine Tat. Das fĂŒhlte sich gut an. Da ich die Aktion nicht unnötig in die LĂ€nge ziehen wollte, verabschiedete ich mich relativ zĂŒgig. Meine WĂ€sche war allerdings noch nicht fertig. Morgen heißt nicht unbedingt morgen in Asien, aber wen kĂŒmmert das schon.

Plötzlich fragte ich mich ganz automatisch: Hast du dich nicht vielleicht jetzt mehr beschenkt als die kleine alte Dame? Kann sein. Das war zumindest meine vorlÀufige Antwort, und deswegen schreibe ich diesen Text.

Altruismus oder Egoismus?

Ist die Aktion vielleicht sogar am Ende egoistisch gewesen? Aber: Ist das ĂŒberhaupt wichtig? Heiligt der Zweck in einem solchen Fall nicht die Mittel? Was soll’s, entschied ich. Ist doch egal, dann habe ich eben zwei Menschen glĂŒcklich gemacht.

Ist ja auch eigentlich immer so: „Geben ist seliger denn Nehmen“, das ist keine neue Erkenntnis, wenn Du sie schon im alten Testament nachlesen kannst. Und nein, ich bin nicht glĂ€ubig. Das ist fĂŒr den Erfolg aber natĂŒrlich vollkommen irrelevant. Du gibst, und so wird dir gegeben, eine simple Taktik. Was aber nicht bedeutet oder gar zu verwechseln ist mit: Du gibst und kannst erwarten.

Oft bekomme ich nichts zurĂŒck. Z.B., wenn ich anonym spende. Oder manchmal gebe ich auch einer Person besonders viel, und wenn ich dann selbst Hilfe benötige: Fehlanzeige!

An diesem Punkt darf man aber nicht aufgeben, das wĂ€re definitiv der falsche Ansatz. Klar, ich bin nicht Jesus und mache mir dann auch meine Gedanken, das kann ich leider nicht verhindern. Ich lasse mich mittlerweile aber nicht mehr (so schnell) beirren oder gar vom (fĂŒr mich) „rechten“ Weg abbringen.

Eine Flaschenpost geht auf die Reise

Und genau das ist der Punkt! Du kannst die vollstÀndigen Auswirkungen Deines Handelns nicht absehen. Es ist wie eine Flaschenpost. Du schickst eine Tat hinaus in die Welt, ohne zu wissen, wen sie erreicht. Genauso wenig kannst Du abschÀtzen, wann und was daraus erwÀchst.

Ich zumindest bilde mir ein, dass ein gĂŒtiges, positives Handeln wahrscheinlicher etwas „Gutes“ entstehen lĂ€sst, als ein negatives, destruktives Verhalten. FĂŒr diese Betrachtung ist ĂŒbrigens unerheblich, ob es dabei um Menschen, Tiere oder Dinge geht.

In der Psychologie des Buddhismus sind wir alle miteinander verbunden. Das Eine bedingt immer auch das Andere, es gibt faktisch kein „Alleinsein“. Eine sehr faszinierende Thematik. Ähnlich dem FlĂŒgelschlag der Libelle, der einen Orkan auslösen kann.

Diese Betrachtungen sind aktueller als je zuvor, wenn wir uns in unserer Welt umschauen. Wir könnten heute besser denn je beobachten und verstehen, wie alles zusammenhÀngt. Wenn wir doch nur wollten. An Informationen und Erkenntnissen fehlt es kaum noch. Die Einsicht und die Umsetzung sind dagegen die wahren Stolpersteine.

Es sind nicht nur Machthaber und Wirtschaftsunternehmen, die sich weigern Konsequenzen zu ziehen. Stichwort: „America first“. Nein, ich meine ganz gezielt auch jeden einzelnen Menschen. Hier liegt doch unser Handlungsbereich: „Kehre vor deiner eigenen TĂŒr“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die Macht des Individuums ist viel grĂ¶ĂŸer und weitreichender, als die meisten sich eingestehen wollen.

Ich finde jedenfalls viele Aspekte der buddhistischen Psychologie sehr ĂŒberzeugend, und man sollte sich nicht dazu verleiten lassen, sie zusammen mit esoterischem Humbug in eine Schublade zu packen. Das wĂ€re in etwa so, als wĂŒrdest Du „Handauflegen“ mit GefĂ€ĂŸchirurgie gleichstellen.

Gerade heute wĂŒrde der eine oder andere buddhistische Ansatz vielen Leuten helfen, ihr ĂŒbergroßes Ego wieder auf NormalgrĂ¶ĂŸe zu schrumpfen. Und das Beste daran, sie wĂŒrden es wohlmöglich noch als positiv und angenehm empfinden. Ohne Verzicht, dafĂŒr mit ehrlichem Gewinn und Mehrwert fĂŒr sie ganz persönlich.

DiesbezĂŒglich habe ich den Glauben in die Zukunft noch nicht (ganz) verloren, auch wenn es manchmal schwer fĂ€llt. FrĂŒher gab es bei den Pfadfindern ja auch noch den Leitsatz: „Jeden Tag eine gute Tat“. Also lĂ€sst sich durchaus ein Ă€hnliches Gedankengut auch in der westlichen Welt finden. Ganz ohne einen buddhistischen Unterbau.

Die Basis ist verloren gegangen

Viele Leute kennen das bedingungslose Geben allerdings nicht. Ihnen fehlt die Basis. Sie sind einfach nicht so erzogen worden. Die Gesellschaft und vor allem die Medien bombardieren uns stĂ€ndig mit anderen Idealen. MitgefĂŒhl wĂ€re demnach vollkommen kontraproduktiv in unserer Leistungsgesellschaft, die auf unendliches Wachstum ausgelegt ist.

Ich, Vorteil, Ich, Erfolg, Ich, Geld, Ich, Konsum. Und wenn es dann trotzdem nicht klappt mit dem GlĂŒcklichsein? Bloß nicht vom Weg abkommen. Die einfache Lösung ist doch offensichtlich: Mehr Egoismus, mehr Arbeit, mehr Geld, mehr Konsum, das wird schon!

Alles nur Fake News

Pustekuchen. Das ist Fake. Wir mĂŒssen so denken und funktionieren, sonst wĂŒrde unser gesamtes Wirtschaftssystem in der westlichen Welt zusammenbrechen. Zudem ist es unerwĂŒnscht, dass der Kapitalismus hinterfragt wird. Wenn Du nicht glĂŒcklich bist, liegt es nicht am System, sondern an Dir, und nur an Dir.

Back to the Lady: Heute war ich wieder in meiner Laundry, um „neue“ WĂ€sche abzugeben. Keine KrĂŒcken in Sicht. Die Dame versicherte mir aber, dass sie diese sehr gut gebrauchen könne. Ein wenig enttĂ€uscht war ich zwar schon, aber egal, siehe oben.

Update:

Mittlerweile kann ich meine Besuche nicht mehr zĂ€hlen, zumindest habe ich sie nicht nachgehalten. Ich kann allerdings bestĂ€tigen, dass meine KrĂŒcken (beziehungsweise eine dieser Zwillings-Gehilfen) aktiv im Einsatz sind. Also doch ein Erfolg. Mir reicht das. Mit oder ohne befriedigtem Ego.

 

Der blick schweift ĂŒber ein grĂŒnes, weites Reisfeld mit vielen kleinen FĂ€hnchen um die Reisdiebe zu verscheuchen

Die ChimÀre auf dem Reisfeld

Das gruselige Mysterium

Dem balinesischen Horror auf der Spur

In meiner ersten Unterkunft auf Bali – oder besser gesagt, im Umfeld meiner ersten Unterkunft – gab es allerhand Viecher und Getier. Einerseits kommen die lieben Tiere Dich in Deiner Bude besuchen, andererseits hörst Du manchmal auch nur die Laute, die sie von sich geben. Ich vermute, meistens handelt es sich dabei um irgendwelche Paarungsrufe oder Kampfansagen. Die simple Ursache ist eigentlich immer gleich: Es geht um den Erhalt der Art.

Viele dieser Sounds sind mir als deutscher Stadtmensch natĂŒrlich vollkommen unbekannt. Entsprechend hoch ist anfangs der Aufmerksamkeits-Level. Mit der Zeit gewöhnst Du Dich natĂŒrlich an die neue GerĂ€uschkulisse. Nach und nach kannst Du dann auch bestimmte Rufe den entsprechenden Tieren zuordnen.

Allerdings gibt es ja auch noch die scheuen Genossen, die Du nicht so einfach zu Gesicht bekommst, aber trotzdem hörst. Zum Beispiel die Zikaden1 . Die kleinen Viecher machen im VerhĂ€ltnis zu ihrer KörpergrĂ¶ĂŸe ein wirklich unvorstellbares Getöse. Einige ihrer Artgenossen ebenfalls, aber die kann ich leider nicht benenn, weil ich sie ja nie gesehen habe.

Alles zu seiner Zeit

Eines der ersten Dinge, die Du in diesem Zusammenhang lernst, ist das zeitliche Muster. Die meisten Tiere haben so ihre natĂŒrlichen Stoßzeiten. Keine Ahnung, warum sie sich am Tag so aufteilen, aber dafĂŒr gibt es bestimmt eine biologische ErklĂ€rung. Und, das war allerdings keine große Überraschung: Der Ruf des Hahns (Plural) ertönt mit Sonnenaufgang, also hier aktuell zwischen fĂŒnf und halb sechs. Darauf ist Verlass. Der Bursche (Plural) nimmt seinen Job sehr ernst. Da wird keine Ausnahme gemacht, auch nicht am Wochenende.

Wissen und Vermutung

Nach einer gewissen Zeit ergibt sich dann ein Mischmasch aus Wissen und Vermutung. Bei der ganzen Geschichte hat mich aber ein Ruf ganz besonders fasziniert und gleichermaßen verwirrt. Immer wieder bin ich aufgestanden, auf meinen Balkon gewatschelt und habe versucht, einen Zusammenhang herzustellen.

Es klingt wie eine gruselige Kombination aus Mensch und Tier. Jedes Mal, wenn ich mir sicher war, dass es sich um einen (mindestens verrĂŒckten) Menschen handelt, habe ich meine EinschĂ€tzung alsbald revidiert. Nein, es muss ein Tier sein, so krass und crazy ist kein Mensch, jedenfalls nicht in diesem Intervall, und auch noch den ganzen Tag lang. Und wenn es doch ein Mensch sein sollte, wĂ€re es dann ein Mann oder eine Frau?

Sechs Wochen Ungewissheit

Es hat dann tatsĂ€chlich sechs Wochen gedauert, bis ich dem geheimnisvollen GerĂ€usch auf die Schliche gekommen bin. Ich war nĂ€mlich nahe genug an der Quelle, um es gut zu hören, aber zu weit entfernt, um den Verursacher zu sehen oder eine KausalitĂ€t herzustellen. Eines Tages hatte ich dann aber GlĂŒck, und ich wurde nicht enttĂ€uscht. Ich lag mit meiner unqualifizierten EinschĂ€tzung goldrichtig. Die Antwort war, zumindest fĂŒr mich als Touri, echt faszinierend.

Verantwortlich fĂŒr dieses merkwĂŒrdige GerĂ€usch ist eine alte Frau, die auf ihrem Reisfeld die kleinen Vögel verscheucht, die den fast erntereifen Reis wegfuttern. Zu diesem Zweck ahmt sie den Ruf von KrĂ€hen (oder etwas in der Art) nach, die fĂŒr die Reisdiebe eine natĂŒrliche Gefahr darstellen. ZusĂ€tzlich unterstĂŒtzt sie diese Aktion, in dem sie ein ausgebufftes System von kleinen FĂ€hnchen in Bewegung versetzt. Diese FĂ€hnchen sind mit einer Schnur und flexiblen Verbindungspunkten ĂŒber mehrere hundert Meter miteinander verbunden.

Eine menschliche Vogelscheuche

Die Dame ist also so eine Art “menschliche Vogelscheuche”, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ihr Reisfeld bewacht und die kleinen gefiederten Nassauer verscheucht. Allerdings kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es jetzt wirklich ihr Reisfeld ist oder nicht. Aber ich wurde, wie immer hier auf Bali, von ihr sehr freundlich empfangen. Nachdem ich ihr zugewunken hatte, schenkte sie mir ein LĂ€cheln und winkte zurĂŒck. Sie gab mir mit entsprechenden Handzeichen zu verstehen dass ich herzlich willkommen sei. Die folgende Kommunikation wurde dann auch mit Zeichen, LĂ€cheln und Gesten bewerkstelligt. Eine gemeinsame sprachliche Basis war natĂŒrlich nicht vorhanden.

Ihr Zuhause kann man, glaube ich, treffend mit “bescheiden” beschreiben, zumindest fĂŒr westliche VerhĂ€ltnisse. Alles befindet sich auf engstem Raum. Eigentlich wollte ich noch mehr Fotos machen, aber irgendwie kam ich mir dabei komisch vor und habe schließlich darauf verzichtet. Ich habe ja zumindest das Video (mit dem sie auch einverstanden war) und ein paar SchnappschĂŒsse. Das muss reichen.

Mensch und Tier auf engstem Raum

ErgĂ€nzende Infos in Worten: Mehrere (sehr) kleine HĂŒtten oder VerschlĂ€ge stehen hier auf engstem Raum. Das GelĂ€nde ist uneben; Du musst stĂ€ndig irgendwelche Höhenunterschiede ĂŒberwinden. Die einzelnen Regionen sind klar aufgeteilt, aber auch irgendwie miteinander verbunden: Wohnbereich, Schweinestall und eine Kochnische, die direkt an die restliche Konstruktion angrenzen. Ich sehe einen großen Topf, der mit Holz befeuert wird; es qualmt mĂ€chtig.

Die Schweine sind in einem separaten Stall untergebracht. HĂŒhner und Enten laufen kreuz und quer durch die Gegend. Den Ausscheidungen der Tiere kann Deine Nase nicht entgehen. Mehrfach bleibe ich irgendwo hĂ€ngen oder stoße mir den Kopf (ich bin einfach zu groß fĂŒr diese kleine Welt). Der Boden besteht aus Schlamm und Erde, und ich hĂ€tte mich zwei Mal beinahe auf die Nase gelegt. Die alte Dame bewegt sich allerdings erstaunlich sicher auf ihrem Terrain, auch ohne Schuhe.

Das war eine kleine, aber sehr interessante Erfahrung, jedenfalls fĂŒr mich. Ich hatte so etwas noch nicht gesehen oder wĂ€re ĂŒberhaupt auf den Gedanken gekommen, dass es etwas in dieser Art ĂŒberhaupt gibt: Sieben Tage die Woche, zwölf Stunden am Tag “komische” GerĂ€usche machen und Vögel verscheuchen.


Fußnoten:

1. Genauer gesagt, die Singzikaden, die anderen hört der Mensch wohl nicht. Wikipedia
↩

 

Ein Taxifahrer hÀlt sich an seinem Scooter fest und hat ein Taxischild im Mund

Taxi, Massage, Latte Macchiato?!

Im Visier der Pusher & Promoter

Brodelnder Vulkan und todbringende Lava

Ja, ich hatte mir das hier alles etwas anders vorgestellt. Und nein, ich hatte es mir nicht romantisch und einsam vorgestellt, allerdings schon ein wenig beschaulicher. Etwas weniger ĂŒberlaufen, wenngleich mir jetzt schon mehrfach berichtet wurde, dass doch eigentlich wenig los sei. Der Vulkan Agung sei schuld, der nun schon öfter ordentliche Rauchwolken produziert hat, aber sich nicht anschickt, auszubrechen.

Alle warten nun gespannt darauf, wann Agung wohl sein Umfeld mit einer Eruption beglĂŒcken wird, und viele Touristen kommen deswegen nicht mehr. Sie Angst haben. Die haben ja immer Angst, die blöden Touristen; die Branche ist sehr fragil. Beim Urlaub wollen viele lieber kein Risiko eingehen, da kennen die keinen Spaß. Wie langweilig.

Der sanftmĂŒtige, balinesische Pusher

Jedem, der sich schon einmal an einem Ă€hnlichen Ort wie Bali aufgehalten hat, ist natĂŒrlich klar, dass die meisten Einheimischen vom Tourismus leben und entsprechend geschĂ€ftstĂŒchtig sind. Das ist in den LĂ€ndern, die ich kenne, sehr unterschiedlich ausgeprĂ€gt. Mit der Zeit lernt man aber mehr oder weniger unfreiwillig die gesamte Bandbreite der StraßenverkĂ€ufer und HĂ€ndler kennen.

Da ist dann alles vertreten, was man sich vorstellen kann. HartnÀckige und aggressive Typen, die sich Dir in den Weg stellen oder Dich sogar anfassen. Das mittelschwere Kaliber, die zwar ungeheuer nerven, aber Dich ansonsten in Ruhe lassen. Und zum Schluss noch die eher zaghaften Typen, die es meist bei einer bis zwei Ansprachen belassen, harmlos sind und schnell verstummen.

Zur letzten Kategorie gehören auch die Jungs und MĂ€dels hier in Ubud. Nicht, dass dies nicht auch nerven wĂŒrde, allerdings resultiert der Stress eher aus der QuantitĂ€t als aus der AggressivitĂ€t.

Wenn man also versucht, sich möglichst unauffĂ€llig von A nach B zu bewegen (was völlig unmöglich ist), wird man gefĂŒhlt mindestens alle ein bis drei Meter mit immer den gleichen vorhersehbaren Fragen bombardiert. Klar, ich verstehe das; was sollen die Armen denn auch machen? Es gibt einfach zu wenig Arbeit fĂŒr zu viele Menschen.

Quereinsteiger ohne Ausbildung

„Taxi!?“ oder „Taxi Sir!?“ ist meine persönliche Hass-Phrase Nr.1, wobei es in Ägypten und besonders in Tunesien noch viel schlimmer war. Trotzdem, die Straßen sind gepflastert mit „Taxifahrern“ bzw. Taxi-Angeboten, denn ich gehe davon aus, dass die meisten dieser Dienstleister keine Lizenz oder gar Ausbildung besitzen (was zugegebenermaßen eine reine Unterstellung meinerseits ist).

Der Transportservice beschrĂ€nkt sich in Ubud aber nicht nur auf Autos, sondern primĂ€r, auf die Unmengen von Scootern, die hier ihr Unwesen treiben. Mit den lauten, stinkenden Dingern wird wirklich alles und jeder transportiert – fĂŒr europĂ€ische VerhĂ€ltnisse ist das fast unvorstellbar.

Abartige Variante: „Taxi Boss!?“ Als sich diese Worte zum ersten mal, den Weg durch mein Gehirn in mein Bewusstsein bahnten, wusste ich nicht so recht, ob ich mich jetzt schĂ€men oder es nur als unterwĂŒrfige Taktik ohne Bedeutung abtun sollte.

Ist eine solche Phrase ein Überbleibsel aus der Kolonialzeit, Hoffnungslosigkeit oder doch nur KalkĂŒl; das sind alles mögliche ErklĂ€rungen. Ich bin zu keinem Ergebnis gekommen, aber es fĂŒhlte sich fĂŒr mich einfach nicht gut an. Vielleicht war das ja das Ziel. Mitleid. Vielleicht soll ja nur ein möglichst schlechtes Gewissen erzwungen werden, Ă€hnlich einem Bettler, der im Grunde genommen ein Business betreibt und seine Situation professionalisiert.

„Taxi Massa!?“ hĂ€tte bei mir die gleichen Emotionen ausgelöst, wie soll ich das denn bitte be- und verwerten? Keine Ahnung!

Ein Traumjob

Im Grunde tun mir die Leute aber Leid, und darum geht es hier, in diesem Text. Die Wenigsten haben sich das bestimmt als Job ertrĂ€umt. Nach dem Motto: „Wenn ich groß bin, möchte ich gerne mal den ganzen Tag mit einem eingeschweißten Schild (fetter Taxi-Schriftzug) in der Hand auf der Straße sitzen und Touristen blöd von der Seite anquatschen. Das wĂ€re großartig! Ich kann unbegrenzt Abgase und Feinstaub konsumieren, bin tödlich gelangweilt und kann zu dem noch frustriert von morgens bis abends auf mein Smartphone glotzen. Das Beste allerdings ist die soziale Anerkennung – und dass ich am Ende des Monats kein Geld habe! Oh ja, das wĂ€re mein Traum!“ Ironie Ende.

Fast genau so hĂ€ufig wie „Taxi?!“ hört man hier „Massaaasch?!“, womit Dir die freundlichen Damen eine ihrer vielen, unterschiedlichen Massagen zuteil werden lassen wollen. (NatĂŒrlich ohne „happy ending“!)
Das Berufsbild unterscheidet sich im Bereich der Akquise nur marginal von dem ihrer mĂ€nnlichen Kollegen. Auch hier unterstelle ich (selbstverstĂ€ndlich ohne fundamentale PrĂŒfung), dass die Ausbildung keinem deutschen Standard entspricht. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Du hier zwangslĂ€ufig schlecht „behandelt“ wirst. Auch ich habe bereits sehr positive Erfahrungen machen dĂŒrfen. GlĂŒck ist dabei das ausschlaggebende Element. Erfahrung, Know-how und die aktuelle Stimmung der Servicekraft bestimmen das Ergebnis. Du musst Dich einfach durchprobieren lassen.

Die Geschlechtertrennung ist ziemlich restriktiv: MĂ€nner sind fĂŒr die Taxis zustĂ€ndig, MĂ€dchen und Frauen fĂŒr die Massage. Meist sitzen die zum Salon gehörenden, einheitlich gekleideten Damen vor ihren Studios, starren ebenfalls mehr oder weniger den ganzen Tag auf ihr Smartphone oder unterhalten sich gerne sehr angeregt – und dann, wenn die Beute in Sichtweite ist, wird der Schlachtruf ausgestoßen: „Massaaasch?!“

„Lateee?!“ ist fĂŒr die Hipster

Bis dato vollkommen unbekannt war mir allerdings „Lateee?!“, womit Dir das bei Muttis und Hipstern so beliebte HeißgetrĂ€nk Latte Macchiato offeriert werden soll. Ich gebe zu, im ersten Moment war ich ein wenig beleidigt, weil ich doch zu keiner dieser Gruppen eine rechte Zugehörigkeit empfinde. Wie kommen die nur da darauf, mich mit „Lateee?!“ anzuquatschen?!

Daraufhin habe ich kurz resĂŒmiert und festgestellt: Das liegt wohl an den Yogis, die hier ĂŒberall rumlaufen! Ubud ist ein Yogi-Mekka, habe ich gelernt. Und dann fiel mir auch wieder ein, dass mich mein erster Taxifahrer, der mich am Flughafen aufgegabelt hat, fragte, ob ich zum Yoga nach Bali gekommen bin.

Damit wÀre das geklÀrt: Ich bin wohl immer noch ein Yoga-Typ, obwohl ich das nun bereits mehrere Jahre nicht mehr aktiv betreibe. Okay, damit kann ich leben.

Kein schöner Tag

Aber, so sehr mir diese gebetsmĂŒhlenartigen Akquisitionsversuche auch noch den letzten Nerv rauben, so Leid tun mir die „Taxifahrer“ und „Masseurinnen“. Du musst Dir einfach mal bewusst machen, also eine Minute wirklich nachfĂŒhlen, wie ein (jeder) Tag dieser Menschen aussieht!

Frustration und Perspektivlosigkeit vernebeln Dein Gehirn. Der Tourist, das goldene Kalb, muss gefunden und geschlachtet werden. Es gibt keine Alternative, keinen besseren Job, keine Optionen, die Du wĂ€hlen könntest. Stumpfsinniges Handeln ist Dein WeggefĂ€hrte. Zuhause sitzt vielleicht Deine Familie und hat Hunger, definitiv muss aber Deine Miete bezahlt werden. Die Konkurrenz ist riesig, es ist ein KĂ€ufermarkt. Du hast hier nichts zu melden. Immer und immer wieder holst Du Dir Deine „Neins“ ab, vielleicht 100, vielleicht 1000mal am Tag, das schreddert auch das letzte bisschen Selbstbewusstsein, ganz sicher.

Nein, ich wĂŒrde nicht tauschen wollen

ZusĂ€tzlich ist die Perspektive der Einheimischen auf die Touristen verfĂ€lscht, was so eine Art Hassliebe entstehen lĂ€sst (ja, auch das unterstelle ich nun wieder; man möge mir verzeihen). Wenn man nur das Portemonnaie vergleicht, ist das Ergebnis eindeutig. Ist aber jeder, der/die hier ĂŒber die Straßen watschelt ein reicher Geldsack mit unendlichen Reserven?

Relativ gesehen wohl eher nicht, aber Hand aufs Herz, die meisten Balinesen könnten sich wohl niemals eine Reise ins Ausland oder geschweige denn einen Urlaub in einem fernen Land leisten. Stattdessen sitzen sie vor den HauseingĂ€ngen, bieten ihre Dienste feil und hoffen auf einen GlĂŒckstreffer, fĂŒr den sich der Tag gelohnt hat.

Gibt es denn Alternativen? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht wirklich. Mangelt es „nur“ an ArbeitsplĂ€tzen, oder verbaut den meisten Menschen hier schon ihre Schulbildung jeglichen Ausweg aus dieser misslichen Lage?

Schlimmer geht immer

Ich habe hier auch schon andere ArbeitsplĂ€tze und Bedingungen gesehen. Frauen auf dem Bau sind in Asien alltĂ€glich. Und nicht, dass Du jetzt denkst, die sind fĂŒr die Erfrischungen zustĂ€ndig! Harte, körperliche Arbeit ist angesagt. ZementsĂ€cke, Bauschutt und Materialien schleppen, das sind ihre Aufgaben. Hier gibt es keine geschlechtsspezifische Bevorzugung, im Gegenteil.

Obwohl mir dieses Bild mittlerweile nicht mehr fremd ist, finde ich es immer wieder faszinierend, zu welchen Höchstleistungen diese Damen fĂ€hig sind. Erstaunlich dabei: Es handelt sich nicht etwa um die jungen, vermeidlich stĂ€rkeren „Modelle“. Nein, gerade die Ă€lteren Semester bestreiten hier ihr Auskommen mit einer LeistungsfĂ€higkeit und ZĂ€hheit, die jeden deutschen Bauarbeiter vor Neid erblassen lassen wĂŒrde. Von den deutschen oder anderen europĂ€ischen Frauen mal ganz abgesehen.

Nicht, dass ich dies befĂŒrworten wĂŒrde oder erstrebenswert fĂ€nde, aber hey; es ist der Wahnsinn, was das „schwache“ Geschlecht hier tĂ€glich ackert! Ich unterstelle jetzt mal, dass es den Ă€lteren Damen nicht an Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Freizeit mangelt oder die pure Langeweile sie auf den Bau treibt. Hunger, Fixkosten und vor allem ein fehlendes soziales Netz wird sie wohl vornehmlich motivieren, ihre Zeit in Dreck und Schutt zu verbringen. Da existiert wahrscheinlich kein Amt, welches regelmĂ€ĂŸig Geld ĂŒberweist, mit dem sie ihre Kosten decken können.

Der Service-Sektor – hoffnungslos ĂŒberbelegt

Im Allgemeinen ist hier auf Bali aber der gesamte Service-Sektor hoffnungslos ĂŒberbelegt. Neben den bereits angesprochenen Berufsgruppen fallen einem noch besonders die Restaurants und Ladenlokale auf. Überall knubbeln sich die Angestellten. Vor kurzem habe ich, zusammen mit meinem lieben Vermieter (natĂŒrlich auf dem Roller), eine Mall in Denpasar (Balis Hauptstadt) besucht, um mir ein paar neue Shorts zu kaufen, weil ich so sehr abgenommen habe, dass mir meine alten Hosen vom Arsch fallen. (Das ist aber ein anderes Thema)

Vielleicht lag es am Wochentag, aber kennt Ihr noch die „gute alte“ Zeit, wo sich an der Tankstelle fĂŒnf Leute gleichzeitig um das Wohlergehen Deines Autos kĂŒmmerten? Einer tankt, einer prĂŒft den Reifendruck, einer macht die Scheiben sauber, einer kontrolliert KĂŒhlwasser, einer Öl, und zum Bezahlen musst Du noch nicht einmal aussteigen. Genau dieses Bild hatte ich plötzlich vor Augen, als ich die Textilabteilung des Einkaufscenters betreten habe. Das VerhĂ€ltnis von Angestellten zu Kunden ist, sagen wir mal, sehr ungewohnt und proportional nicht angemessen.

Ein Vergleich zur Heimat: In einem deutschen Kaufhaus findest Du, wenn Du „GlĂŒck“ hast, keinen einzigen VerkĂ€ufer/in mehr auf der gesamten Etage – auch dann nicht, wenn Du Dich intensiv bemĂŒhst und aktiv nach ihnen suchst.

Aus dieser Beobachtung schlussfolgere ich jetzt mal kĂŒhn: Personal „kost nix“. Was mich dann wiederum wohl folgerichtig zu dem Ergebnis fĂŒhrt, dass dies auch keine wirkliche Alternative oder gar so etwas wie eine Karrierechance fĂŒr die zahllosen Taxifahrer und Masseurinnen ist.

Die Möglichkeiten sind begrenzt

Zusammenfassend kann mal wohl sagen, die Möglichkeiten sind begrenzt, und die meisten sind froh, ĂŒberhaupt einen bezahlten Job zu haben, egal wie Scheiße, schlecht bezahlt und stumpfsinnig er auch sein mag.

Wenn ich jetzt noch die Kundenfrequenz und das Kaufvolumen in die Gleichung integriere, komme ich ehrlich gesagt zu keinem vernĂŒnftigen Ergebnis. Das wirtschaftliche Konzept ist mir schleierhaft. Deutsche Aushilfsjobs, auf 450 €- oder wie auch immer gearteter Basis, wĂ€re hier eher ein gehobenes Einkommen.

Nein, ich wĂŒrde wirklich nicht tauschen wollen, weder mit den Taxifahrern, noch den Masseurinnen oder den tapferen Soldaten im Service-Bereich. Allesamt sind wahre Knochenjobs, so oder so. Viel Arbeit oder Zeit und wenig Geld, so viel ist sicher, auch ohne empirische Studie.

Freundlich und respektvoll bleiben

Habe ich Mitleid? Ja, ich gebe es zu, aus meiner Perspektive sicher. Allerdings gibt es Schlimmeres, es gibt ja immer Schlimmeres. Trotzdem, ich bemĂŒhe mich nun redlich, auf alle „Taxi!?“ und „Massaaasch?! – Rufe so respektvoll und freundlich wie irgend möglich, zu reagieren. Das gelingt mir leider nicht immer, manchmal ist das Maß einfach voll und das Glas lĂ€uft ĂŒber. Nach gefĂŒhlten 1000 Ansprachen pro Tag verliere ich die Geduld, und der buddhistische Gleichmut geht flöten. Nein, nein, nein, ich will nicht! Seht ihr das denn nicht?!

Nein, tun sie nicht, oder vielleicht doch, aber sie mĂŒssen es ja zumindest versuchen. Egal, wie hoffnungslos die Aussicht auf Erfolg auch sein mag. Das Gesetz der großen Zahl, eine alte VerkĂ€uferregel, das ist ihr Job, ob mir das nun passt oder nicht. Ich werde es nicht Ă€ndern.

Vor ein paar Tagen, hat mich nachts ein VerkĂ€ufer angesprochen. Er stand alleine und triefend nass auf der Straße. Ich sollte eines dieser billigen Regencapes (dĂŒnne, flatterige PlastiktĂŒten) bei ihm kaufen. Das ist hier in den Tropen, wo es stĂ€ndig regnet, ebenfalls ein gĂ€ngiges GeschĂ€ftsmodell. Immer, wenn die Schleusen des Himmels sich öffnen, tauchen die Jungs (oder auch Frauen oder Kinder) plötzlich auf. Sie hoffen auf Touristen, die ungeschĂŒtzt durch die Gegend eiern.

Nun kommt das Bemerkenswerte: Ich trug bereits mein eigenes Cape und war bestens vor dem bösen Regen geschĂŒtzt. Außerdem handelt es sich dabei nicht um so eine dĂŒnne PlastiktĂŒte, wie er sie mir gerade entgegen reichte. Die Situation war offensichtlich: Es bestand absolut kein Bedarf. Das war sofort und ohne jeden Zweifel auch fĂŒr den Cape-VerkĂ€ufer zu erkennen.

Verdutzt blieb ich stehen und schaute ihn sprachlos an. Er schaute mich ebenfalls an und zog sogleich sein Angebot zurĂŒck. Dann sagte er nur: „OK, thank you“. Ich setzte meinen Heimweg fort und musste weinen: TrĂ€nen im Regen.

Aber ich werde mich bemĂŒhen. Ich werde „‚FĂŒnfe gerade sein lassen“, einatmen, ausatmen und versuchen, alle negativen Gedanken aus meinem Kopf zu verbannen.

Wer weiß, vielleicht gelingt es mir ja wenigstens ein bisschen, und vielleicht kann ich mein Karma so wieder befrieden.

 

Zweispurige Fahrbahn voller Mopeds

Überleben unter Scootern

Lebensgefahr im Paradies

In den ersten Tagen meines Aufenthalts dachte ich noch, es liegt an der Klimaumstellung oder dem Jetlag, dass mir immer so schwindelig und schlecht wird. Bald stellte ich aber fest, dass zwischen meiner Befindlichkeit und meinem Aufenthaltsort durchaus eine Korrelation besteht.

Sobald ich mich nĂ€mlich lĂ€nger im Zentrum von Ubud (Bali-Indonesien) aufhalte, passiert es: Mir wird ĂŒbel und schummerig. Die Ursache war dann auch schnell identifiziert: Es sind die „Scooter“, die kleinen ratternden Zweitakter. Sie verursachen nicht nur einen nervtötenden LĂ€rm, sondern produzieren auch noch reichlich Schadstoffe. Wie ich mittlerweile gelernt habe, liegt der Ausstoß nicht nur ĂŒber denen von Pkws, sondern ĂŒbertrifft auch noch Lkws, obwohl die Roller wesentlich weniger Benzin verbrennen.

Ein tödlicher Cocktail

Es ist in diesem Fall die Mischung – Benzin plus Öl – die es macht! Genau dieser Treibstoff, den die Scooter zum Fortbewegen benötigen, lĂ€sst dann auch den tödlichen Cocktail aus primĂ€ren organischen Aerosolen (POA), Benzol, unverbrannten Treibstoffresten und Abbauprodukten von Öl entstehen, der als Konsequenz permanent in die Luft geblasen wird.

Ich wohne nicht auf dem Land

Um eines kurz klarzustellen: Ich komme nicht vom Lande oder bin nur mit sauberer Luft aufgewachsen, sondern wohne in einer deutschen Großstadt; allerdings kann ich mich bewusst nicht an eine derartige Luftbelastung erinnern, wie sie hier zurzeit im „Paradies“ herrscht. Ich möchte und kann allerdings auch keine wissenschaftliche Studie zu dem Thema ausarbeiten. (Wenn Du tiefer in die Thematik eintauchen möchtest, bitte einfach selbst mal googeln.)

Bei meinen eigenen Recherchen habe ich aber einen Artikel gefunden, der aussagt, dass die Stadt TĂŒbingen eine „AbwrackprĂ€mie fĂŒr Mopeds“ einfĂŒhrt – und zwar, weil der Schadstoffausstoß so dermaßen hoch ist, dass der OberbĂŒrgermeister Boris Palme die beliebten ZweirĂ€der sogar als „GiftgasgerĂ€te“ bezeichnet. Die Stadt hat allerdings dem Artikel zufolge mit nur ca. 100 Mopeds pro Tag gerechnet.

Im Vergleich zu Bali ist das der reinste Sarkasmus, denn hier sehe ich mindestens 100 Drecksschleudern pro Minute. Mit den Motorrollern wird hier alles erledigt: MobilitĂ€t in der Freizeit, der Weg zwischen Zuhause und ArbeitsstĂ€tte, der Transport von Waren und GĂŒtern, die Beförderung der gesamten Familie (auf einer Maschine), das eigene Business (mobile GarkĂŒchen, Lieferservice…), an jeder Ecke eine Vermietung fĂŒr Touristen und, nicht zuletzt, das eigene kleine Taxi-Unternehmen.

Es gibt keine vernĂŒnftigen Alternativen

Und genau da liegt das Problem: Man kann die Dinger trotz der enormen Umweltbelastung nicht einfach abschaffen, denn es gibt zurzeit noch keine bezahlbaren (oder ĂŒberhaupt irgendwelche) Alternativen fĂŒr die Bevölkerung. Fahrradfahren ist anscheinend keine Option, und weil es an Lösungen mangelt, sitzt ihnen sprichwörtlich erstmal das Hemd nĂ€her als die Hose.

Ein zweischneidiges Schwert

Ich habe allerdings das GefĂŒhl, das es sich dabei um ein zweischneidiges Schwert handelt – vielleicht so Ă€hnlich wie mit dem PlastikmĂŒll, zu dem ich auch noch ein paar Worte geschrieben habe (noch nicht veröffentlicht). Ich hoffe, gegen den Feinstaub wird schneller eine Lösung gefunden, bevor hier bald alle Luftnot bekommen und tot umfallen oder einen Herzinfarkt erleiden. Zum Problem PlastikmĂŒll wurde ja von Indonesiens Regierung kĂŒrzlich der Notstand ausgerufen – ich wĂŒnsche ihnen von ganzem Herzen viel GlĂŒck und ein gutes Gelingen!

Ich selbst habe mir ĂŒbrigens noch keine dieser NĂ€hmaschinen ausgeliehen, um damit stĂ€ndig rumzugurken und ebenfalls Teil des Problems zu seins. Meine eigene CO2-Bilanz ist ja auch so schon ganz ordentlich, alleine, wenn ich den Flug hierhin berechne. Allerdings gibt es fĂŒr/gegen das Benutzen eines Scooter noch ganz andere GrĂŒnde. Zum Beispiel die eigene Sicherheit im Straßenverkehr: Es gibt hier eigentlich kaum Verkehrsregeln, oder wenn, dann haben sich diese mir noch nicht erschlossen.

Verkehrsregeln musst Du vergessen

Alles, was ich mal in der Fahrschule gelernt habe, spielt hier kaum eine Rolle. Einbahnstraßen, durchgezogene Linien, Ampeln, Zebrastreifen, links oder rechts fahren, eben allgemeingĂŒltige Regeln, die in Deutschland (meistens zumindest) beachtet werden. All das ist, im besten Falle, nur als theoretischer Überbau vorhanden. Bei genauerer Beobachtung ist das Fehlen von Regeln auf eine merkwĂŒrdige Weise auch logisch und offensichtlich: Mit festen Regeln wĂŒrde das gesamte System implodieren. Ich habe keine genauen Zahlen, wie viele der beschriebenen FeuerstĂŒhle hier rumgasen; gefĂŒhlt sind es aber mehr, als die Insel Einwohner hat.

Das Drama spielt sich in der Regel nicht auf gut ausgebauten Straßen ab, sondern meist auf kleineren Pisten. Die Hauptstraßen hier in Ubud sind maximal zweispurig, die Nebenstraßen einspurig. So oder so muss sich der gesamte Verkehr den Platz teilen. Die Akteure sind an erster Stelle natĂŒrlich die Mopeds (die bilden eindeutig die Mehrheit), Autos, ein paar Fahrradfahrer (meist Touristen), mobile HĂ€ndler (die Nahrung jeglicher Art anbieten), FußgĂ€nger und zuletzt die Hunde. Um das Gewusel zu perfektionieren, haben die Indonesier den ganzen Verkehr auch noch auf Links gedreht, alles fĂ€hrt also „verkehrt herum“.

Tropischer Regen – Eine Naturgewalt

Auch wenn es kaum zu glauben ist: Es gibt sogar noch eine Steigerungsform zu diesen ohnehin unĂŒbersichtlichen Chaos: Regen! Kein harmloser deutscher Regen, sondern tropischer Regen. Meistens zu erleben in, wer hĂ€tte das gedacht, der Regenzeit. Diese trĂ€gt ihren Namen zurecht: Die Schleusen des Himmels tun sich auf und lassen in kĂŒrzester Zeit unvorstellbare Wassermassen auf die Stadt und alles, was sich in ihr befindet, pladdern.

Mit dem Boot durch die Straßen schippern

Nach zwei Minuten könnte man theoretisch auch mit dem Boot durch den dann entstanden Straßen-Kanal schippern (das hab ich allerdings noch nicht gesehen). Leicht vorzustellen, dass ein solches Wetterereignis nicht gerade entspannend auf den Verkehr und seine Teilnehmer wirkt. Ein beeindruckendes Schauspiel ist der Niedergang der Wassermassen aber in jedem Fall, vielleicht schreibe ich zu dem Thema auch noch mal was (ich liebe diesen warmen Regen, denn Du hast dadurch eine sehr direkte Verbindung mit den Naturgewalten).

Beobachtung am Rande: Kein Hund kennt hier eine Leine, jedenfalls habe ich noch keine gesehen (die einzigen Ausnahmen sind die Hunde von Touristen und ein Schoßhund, der von einem Einheimischen getragen wurde).  Faszinierend dabei ist, dass die Flohteppiche trotzdem nicht alle Nase lang ĂŒberfahren werden. Sie finden sich im Verkehrschaos „wunderbar“ zurecht. Aber nicht, dass jetzt jemand auf die Idee kommt, die motorgetriebenen Fahrzeuge wĂŒrden eventuell RĂŒcksicht nehmen oder gar bremsen – niemals, oder nur als letzte aller Möglichkeiten.

Bremsen ist einfach keine Option. Hupen vielleicht, allerdings nicht fĂŒr Hunde. Trotzdem ĂŒberleben die Tiere das irgendwie und ĂŒberqueren, selbst im stĂ€rksten Verkehr, routiniert die Fahrbahn; ich habe das oft mit großer Bewunderung beobachtet. Die alten, kranken und schon fast vergammelten Köter warten lieber auf eine grĂ¶ĂŸere LĂŒcke; die jungen Wilden lassen es auch gerne mal sportlich angehen. Jeder nach seinen Möglichkeiten also, aber ich habe nie gesehen, dass die Viecher, ohne zu gucken, dusselig und vertrĂ€umt auf die Straße tapern, um gleich darauf einen KĂŒhler zu schmĂŒcken bzw. einen Scooter auszubremsen.

In Deutschland wĂ€re das undenkbar – in der Bundesrepublik gilt meist das Motto: Leine los, Hund tot. Ziemlich sichere Sache. Dazu kommt noch Ärger mit dem GeschĂ€digten der Versicherung, ganz abgesehen natĂŒrlich auch von der persönlichen Betroffenheit. Das gibt’s hier alles nicht – die Hunde haben oftmals keinen wirklichen Besitzer, aber sie haben gelernt, was sie zu tun und zu lassen haben, kennen ihren Platz und latschen nicht unvorsichtig auf die Straße.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich hier besonders viele Menschen mit Haftung und Versicherung fĂŒr Hunde auskennen. Faszinierend, wie anpassungsfĂ€hig doch so ein Tier sein kann.

FußgĂ€nger – Das schwĂ€chste Glied in der Kette

Die FußgĂ€nger könnten theoretisch auch auf den „BĂŒrgersteigen“ laufen, falls tatsĂ€chlich einmal welche vorhanden sind, allerdings sind diese dann vollkommen zugeparkt von den Mofas. Zugeparkt bedeutet hier auch wirklich flĂ€chendeckend belegt, ohne RĂŒcksicht auf anderweitige Interessen. Alles wird einfach quer gestellt, wo und wie es passt.

Damit befindest Du Dich als FußgĂ€nger nun in der misslichen Lage, stĂ€ndig vom „Gehweg“ auf die Strasse wechseln zu mĂŒssen. Die meisten interessiert bald nicht mehr, ob sie den Gehweg oder die Straße nutzen, und alle laufen da, wo gerade ein wenig Platz ist, denn es geht auch kaum anders. Jetzt befinden sich alle auf der Fahrbahn – das Spiel beginnt!

Dem Wahnsinn einfach ausgeliefert

Anfangs hatte ich wirklich Angst! Du kannst unmöglich den Überblick behalten oder gar die Situation kontrollieren; nein, Du bist dem Wahnsinn einfach ausgeliefert. Also fallen lassen und mitschwimmen, ansonsten musst Du leider im Hotel oder Deinem Appartement bleiben; keine Chance! Wenn Du es aber schaffst und die nötige Gelassenheit (oder GleichgĂŒltigkeit) entwickelst, dann funktioniert es irgendwie; Du darfst eben nur nicht weiter darĂŒber nachdenken.

Und entgegen der Meinung, die insbesondere die Einheimischen vertreten, ist diese ganze Szenerie sehr wohl gefĂ€hrlich! Ich persönlich habe in zwei mehreren Wochen bereits drei sehr viele UnfĂ€lle gesehen, immer mit Moped-Beteiligung – alles andere wĂŒrde ehrlich gesagt auch an ein Wunder grenzen. Alles fĂ€hrt und geht durcheinander, und jeder macht was er/sie/es will; da muss es zwangslĂ€ufig zu Konflikten, MissverstĂ€ndnissen und daraus resultierenden UnfĂ€llen kommen.

Die Hupe ist lebensnotwendig

Die einzige Art der Kommunikation, die die Katastrophe noch etwas hinauszögert, ist die Hupe. DAS Mittel der Wahl, wenn es um gegenseitige Kommunikation im Straßenverkehr geht. Ein kleiner Druck auf den Knopf gibt den Weg frei fĂŒr ein FĂŒllhorn an Botschaften. Im wahrsten Sinne des Wortes. Alle Bedeutungen habe ich selbstverstĂ€ndlich noch nicht interpretieren oder ĂŒbersetzen können, einige haben sich mir allerdings schon erschlossen (so glaube ich zumindest).

Erst einmal alles vergessen

Zuerst musst Du alles vergessen, was Du ĂŒber Hupen in Deutschland kennst und das zuvor Geschriebene berĂŒcksichtigen. Die Hupe ist hier essenziell und nicht nur zu benutzen, wenn es keinen anderen Ausweg mehr gibt, so wie es eigentlich im deutschen Straßenverkehr vorgesehen ist.

Die Semiotik des Hupens – Das kleine Einmaleins:

Einfache Vokabeln (kurzes TĂŒt | kurzes TĂŒt-TĂŒt)

  • Achtung, ich bremse nicht!
  • Hallo!
  • Danke!
  • Bitte!
  • TschĂŒĂŸ!
  • Taxi!?

Erweiterte Linguistik (kurzes TĂŒt | langes TĂŒt)

  • Achtung, ich bremse nicht!
  • Geh mal beiseite!
  • Vorsicht, ich ĂŒberhole dich jetzt!
  • Obacht, ich fahre auf der falschen Fahrbahn!
  • Ich habe dich gesehen, siehst du mich auch!?
  • Guck mal, ich fahre jetzt neben dir!
  • Mach Platz, ich bin schneller!
  • Alles OK!

Meisterklasse (sehr langes TĂŒt | kurzes TĂŒt + langes TĂŒt)

  • Achtung, ich bremse nicht!
  • Mach Platz, ich passe noch dazwischen!
  • Habe ich lĂ€ngst gesehen, ich bin doch nicht blind!
  • Reg dich nicht so auf!

Entziffere den Code!

Aufgrund der multifunktionalen Signale ist es natĂŒrlich unabdingbar, den empfangenen Code mit dem visuellen Umfeld und den eigenen Emotionen abzugleichen. Gefolgt von einer blitzschnellen Reaktion und der richtigen Entscheidung sicherst Du Dir das Überleben im Straßenverkehr auf Bali.

Wenn Du Dich auf der Straße mit dieser Aufgabe ĂŒberfordert fĂŒhlen solltest, unsicher bist oder einfach keine Lust hat, in irgendeiner Art und Weise zu reagieren, dann signalisierst Du dies dem Hupenden ganz einfach mit UntĂ€tigkeit. Peng! Jetzt weiß er Bescheid. Du hast den Ball zurĂŒckgespielt; die Kommunikation ist fehlgeschlagen. Nun muss er wieder handeln.

Entscheide weise!

Allerdings solltest Du bedenken: Das Unterlassen irgendeiner Handlung kann ebenfalls bedeuten, dass Du dem Anliegen Deines GegenĂŒbers zustimmst und ihn/sie gewĂ€hren lĂ€sst. Also wĂ€ge sorgsam ab und entscheide weise.

Bis dahin meine Feldstudie, auf die ich hier ausdrĂŒcklich, schon aus haftungstechnischen GrĂŒnden, keine Garantie geben kann und will! Das betrifft gleichermaßen die VollstĂ€ndigkeit, als auch die Übersetzung der gelisteten Hupsignale. Abgesehen davon bezweifle ich, dass es ĂŒberhaupt einen vollstĂ€ndigen, verlĂ€sslichen Katalog gibt beziehungsweise dieser von irgendjemandem beherrscht wird, und selbst wenn, mĂŒsste dieser „jemand“ ja auch noch gleichzeitig auf ein GegenĂŒber treffen, der alles fehlerfrei versteht. Ich gebe somit zu Bedenken, welche FĂŒlle von menschlichen, technischen und situativen EinflĂŒssen hier außerdem noch eine Rolle spielt.

Mit der Gasmaske im Paradies der Götter

Das aber nur am Rande, zurĂŒck zum eigentlichen Thema bzw. zu meinem toxischen Schock durch die Scooter. Mir wird echt schlecht davon, und ich will wirklich keine Pussy sein! Ich musste etwas tun, soviel stand schnell fest, und da lag nichts nĂ€her, als es manchen Balinesen gleichzutun und mir auch so eine Atemmaske zu kaufen. So eine, die auch im Krankenhaus oder von den Menschen in Chinas GroßstĂ€dten getragen wird.

Einfache Filter helfen nicht wirklich

Wahnsinn, dachte ich noch, da biste jetzt im „Paradies der Götter“ und lĂ€ufst mit ’ner Gasmaske durch die Gegend – irgendwie pervers. Und das Ergebnis war ernĂŒchternd: Der Filter der Atemmaske funktioniert nicht wirklich. Er lindert das Ganze zwar etwas, aber die beworbene Reduktion auf der Verpackung bezieht sich wohl eher auf Laborbedingungen, wenn alles durch die Membran gefiltert wird und nicht 80 % der Luft und somit auch der Schadstoffe an den Seiten ihren Weg zu deinen Lungen finden. Pech gehabt!

Kannst Du den Moloch ĂŒberleben?

Ich vermute, der Aufenthalt in Ubud wird mir wohl nicht den schnellen Tod bringen, wahrscheinlich aber meine Gesamtlebenszeit verkĂŒrzen – egal, das war mir noch nie so wichtig. Derweil koordiniere ich meine Wege möglichst optimal ĂŒber die kleineren Straßen und versuche, den Moloch zu vermeiden. Abseits der vielbefahrenen Strecken findet man ohnehin die schöneren Ecken und die netteren Menschen.

Als Bonus erhalte ich durch die meist lĂ€ngeren Wege ein kostenloses Workout, und wenn ich unterwegs Hunger bekommen sollte, ist das Angebot meist authentischer, wohlschmeckender und gĂŒnstiger. Und dem paradiesischen Eindruck, den man von Indonesien wohl eigentlich erwartet, komme ich so auch gleich viel nĂ€her.

Update

Mittlerweile bin ich umgezogen nach Tibubeneng, Badung – ebenfalls noch auf Bali. Ich habe eine schöne Bleibe und es eigentlich ganz gut getroffen. Scooter-technisch, legen die Jungs und MĂ€dels hier allerdings noch mal eine Schippe drauf. Auf der Kreuzung, ein paar hundert Meter von meinem Apartment sieht es den ganzen Tag so aus: